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Ist Alterlaa böse? Lebt man hier besonders gefährlich? Sind wir im Vergleich zu anderen Wohngegenden noch fein raus?

 

 

ohin geht unser Mist? Es drängt sich die Frage auf, wieviele unter uns, wirklich detailliert über die Müllentsorgung Bescheid wissen, die im Wohnpark etwas anders abläuft als sonstwo. Und dennoch sind die Problem nicht anders.

Alleine aufgrund der Größe und der Machbarkeit gibt es im Wohnpark, die sonst üblichen Kolloniakübel nicht. Hat sich bei dem einen oder anderen vielleicht statt dessen das Bild irgendwelcher Förderbänder in geheimen Kellergeschoßen verfestigt? Doch wie funktioniert es wirklich? Konnte sich das System der »Müllschlucker« bewähren?

Vor allem aber gilt es zu ergründen, welche »Highlights« (meist bleiben ohnehin die negativen in Erinnerung) in der Bilanzierung aufscheinen. Auf Anfrage wird uns mitgeteilt, dass es durchaus immer wieder kleinere oder gröbere Zwischenfälle gäbe, immerhin müssten pro Woche bis zu 30 Tonnen Müll entsorgt werden.

Die genaue Problematik lässt sich zweifelsohne nur im Kontext mit einer umfassenden Darstellung der Anlage erörtern. Sie besteht aus einem über 4 km langen Rohrsystem. Jeder Turm des Wohnparks (jeder der drei Blöcke hat 4 Türme) verfügt über ein Rohr, das vom Dachgeschoß bis in den unterirdischen Versorgungsschacht reicht. Über diesen Schacht wiederum sind alle Rohre mit der Müllzentrale bei der Stiege 8 des A-Blocks verbunden.

Wirft ein Mieter nun seinen Müll in eine der Schachtöffnungen (Kippen), die es in jedem Stockwerk gibt, so fällt der Müll einfach das Rohr hinunter, bis er eine Höhe von drei bis vier Metern erreicht, dann werden die Kippen gesperrt. Ab diesem Zeitpunkt besteht keine Möglichkeit mehr, etwas durch das Rohrsystem zu entsorgen.

Darin liegt bereits die erste Problematik: Mieter, die sich nun ihrer unliebsamen Habseligkeiten entledigen wollen und die Kippe versperrt vorfinden, überlassen es anderen den berstenden Müllsack »nach Freiwerden der Leitung« seiner Bestimmung zu übergeben. Soweit noch keine Eigenheit des Wohnparks, wie Bewohner »gewöhnlich entsorgender« Anlagen sicherlich bestätigen können. Hier, wie da gibt es zudem auch Bewohner, die »ganz naiv« Holzleitern, riesige Kartons, und vieles andere mehr den Heinzelmännchen hinterlassen, auch wenn es hier wirklich nichts verloren hat.

Doch was, wenn es ganz woanders scheitert: Die Kippe ist willig, doch der Bewohner zu schwach - etwa weil nicht in der Lage die effizient gefüllte riesige schwarze Familienpackung Müll hineinzustopfen. »A geh, a Kloanichkeit« mag sich der passionierte Heimwerker-King gedacht haben, als er mit dem Akkubohrschrauber flux die Kippe - das Nadelohr am Weg zum Rohr - entfernte und anschließend mit gleich zwei solcher Säcke für einen nahezu inoperablen Verschluss sorgte.

Ehre, wem Ehre gebührt - der Mist-Attentäter ließ die Kippe ausgebaut liegen wie sie war und suchte das Weite, um den schockierten Hausbetreuern das Territorium kampflos zu überlassen. Letztere hatten eine nicht minder Nerven aufreibende Tätigkeit beim Entfernen, mußten doch alle darüberliegenden Kippen außernatürlich gesperrt werden, um die weit hineingebeugten »Chirurgen« vor Müllsendungen darüberliegender Stockwerke zu schützen. Folglich endete die Arbeit der Hausbetreuer auch nicht bei diesem Rohr, sondern beim Nachwerfen der abgestellten Mistsäcke in den Gängen darüber.

Dabei sind solch dramatische Szenen wirklich nicht notwendig, müssten doch solche Bewohner ihren Tätigkeitsdrang nur anders ausleben und mit ihrem für den »Müllschlucker« wahrlich ungeeigneten Müll einfach in das bestehende Altstoffzentrum des Wohnparks »pilgern«: In besagtem Zentrum besteht für jeden Mieter des Wohnparks die Möglichkeit, Sperrmüll, Holz, Karton, Styropor, etc. unter fachkundiger Aufsicht abzuliefern.

Das Projekt, bekanntgeworden unter dem Titel »Einfälle statt Abfälle«, ging nach eingehender Planungsphase durch einige engagierte Mieterinnen in Zusammenarbeit mit der Hausbetreuung im November 1993 in Betrieb, was zu einer dramatischen Veränderung auf dem Müllsektor führte: Gab es vor dem Altstoffzentrum drei riesige Sperrmüllcontainer (bei jedem Block einen), der mit Schutt, Holz, Styropor, etc. und jeder Menge Luft für teures Geld durch Wien geführt wurde, so wird heute sortenrein getrennt, gepresst und nur noch ein Bruchteil wird zu teurem Sperrmüll. Bereits im ersten Jahr konnte so eine Reduktion an Containern um 49 Prozent erreicht werden.

Aber zurück zu unserem Rohr: Wenn der Müll erfolgreich seine erste Etappe durch das »Turmrohr« gemacht hat, liegt er nun an dessen Ende, bis die besagte Höhe von drei bis vier Metern erreicht ist. Die Aufsehen erregenste Etappe steht nun noch vor uns. Der angesammelte Mist wird ganz einfach mehrmals täglich (im Winter viermal und im Sommer dreimal) abgesaugt.

Man kann sich diesen Vorgang mithilfe des »Staubsaugerprinzips« vor Augen führen: Per Unterdruck wird bei einer reinen Luftgeschwindigkeit von 50 km/h der Müll, welcher eine Eigengeschwindigkeit von 30 bis 40 km/h entwickelt, durch das Rohr in die Müllzentrale gesaugt. Dort angelangt wird er hochgradig verpresst und in eigene Container befördert.

Natürlich handelt es sich dabei um einen zugegeben ziemlich überdimensionalen Staubsauger, wie sich alleine am Stromverbrauch zeigt. Benötigt ein leistungsfähiger Hausstaubsauger zirka ein Kilowatt, so »verputzt« der hier Beschriebene das 250-fache und das jeweils über den ca. 20 Minuten andauernden Vorgang. Braucht der Wohnpark sonst etwa 750 kWh, so steigt der Stromverbrauch während dieser kurzen Zeit immerhin um ein Drittel. Man kann sich denken, dass der Verbrauch nicht nur finanzielle Spuren hinterlässt. Diese sind jedoch kaum sichtbar, denn um eine bestimmte Verbrauchsgrenze nicht zu überschreiten, fährt die Hausbetreuung ab und zu schon einmal nicht notwendige Systeme entsprechend einer ausgearbeiteten Prioritätenliste während dieser kurzen Dauer herunter.

In der EDV-Zentrale der Hausbetreuung wurden wir Zeuge dieses Schauspiels: Der Computer meldet sich in diesem Fall ganz artig und prägnant mit der Ankündigung der Absaugung zu Wort. Sollte es zur Verstopfung kommen, wöchentlich etwa zwei- bis dreimal der Fall, wird dies sofort angezeigt und der diensthabenden Schicht wird abermals ein einzigartiges Vergnügen zu Teil.

Doch in welcher Weise kann man nun das oben begonnene »Sündenregister« der Mieter erweitern? Wer behält beispielsweise immer im Gedächtnis, dass auch Katzenstreu nicht für den Müllschlucker bestimmt ist und es durch Verklumpungen und Gewicht zu gravierenden Problemen kommen kann? Doch wir appellieren an sie: Setzen Sie ihre Katze nicht auf Diät, nehmen sie den zusätzlichen Aufwand einfach in Kauf!

Was mag wohl in solchen Zeitgenossen vorgehen, die das nicht allzu leichte Unterfangen auf sich nehmen, ihre Teppiche im hiesigen Rohrsystem loszuwerden? Müssen diese erst fein säuberlich zusammengerollt und verknotet werden? Es bleibt jedem selbst überlassen, sich darüber ein Bild zu machen! Nicht zu vergessen, das mühsame Aufschneiden des Rohres, sollte es zu Komplikationen an nicht zugänglichen Stellen kommen.

Auch Christbäume würden jedes Jahr »auf besonders bequeme Art und Weise entsorgt«, wie es so treffend formuliert wird. Ob man natürlich schon beim Kauf darauf Bedacht nimmt, dass der Weihnachtsbaum sowohl ins Wohnzimmer als auch in den Schacht passt, wurde nicht überliefert! Wenn man dies konsequent zu Ende denkt, dürften auch hier Handwerkerutensilien zum Einsatz kommen, um sich des Zimmerschmucks mit Ablaufdatum entledigen zu können. Sperrige Gegenstände, so wird eingeräumt, kämen allerdings eher selten vor. Würde so manchen doch ein schlechtes Gewissen packen, da der Verursacher eruierbar wäre?

Zu guter Letzt wird, um ein Resümee gebeten, doch ein recht vesöhnlicher Ton angeschlagen: »Es könnte ärger sein«, meinen die zuständigen Herren in der Hausverwaltung des Wohnparks unisono. Bleibt nur zu hoffen, dass dies so bleibt!

 

P.S.: Jeder hat wohl früher oder später schon einmal etwas in die »Müllschlucker« hineingeworfen, wofür er nicht wirklich konstruiert worden ist. Anonyme Geständnisse zu allen erdenklichen verwerflichen Untaten, vom Katzenstreu bis zur Kleidung, werden jederzeit in unserem neuen Forum »Sündenpfuhl« angenommen.