Die Technik des Wohnparkfernsehens(Anm.: Dies ist ein Text aus 1998/1999. Die Begriffe "sehr modern" u.a. sind in diesem Kontext zu verstehen. - Balázs Bárány) Durch die Fortschritte der modernen Computertechnik ist es heute möglich, einen Fernsehsender mit nur drei Computern zu betreiben. Diese Computer senden rund um die Uhr und brauchen normalerweise keinen menschlichen Eingriff. Die drei Computer sind: Infotext-Computer, Teletext-Computer und Video-Computer. Sie werden noch von einigen fernsehspezifischen Geräten unterstützt. Unsere ZieleDas Fernsehen dient ca. 10.000 Menschen als Informationsquelle. Der Betrieb erfolgt nicht kommerziell. Die Leute arbeiten in ihrer Freizeit unentgeltlich mit, eine ständige Anwesenheit kann nicht garantiert werden. Deswegen ist es wichtig, daß alles möglichst automatisch passiert und ohne menschlichen Eingriff funktioniert. Damit die MitarbeiterInnen die Motivation nicht verlieren, muß zumindest auf technischer Ebene jede Frustquelle und jede monotone Tätigkeit vermieden werden. Die Leute, die produzieren, sollen sich auf ihr kreatives Schaffen konzentrieren können. InfotextDen Infotext nennen wir oft auch Lauftext. Er wird vom "zentralen" Computer mit einer Software namens Scala InfoChannel abgespielt. Diese Software ist für den Fernseheinsatz geschrieben und erlaubt den Betrieb rund um die Uhr. Scala ist eine Art Multimedia-Präsentationsprogramm, seine Funktion ist vor allem, Bilder zu zeigen und dazu Ton abzuspielen. Außerdem erlaubt Scala Timing-Funktionen wie "jede Stunde das Programm neu abspielen" oder "diesen Beitrag nur nach 22 Uhr zeigen". Der Scala-Computer ist ein ziemlich durchschnittlich ausgestatteter Rechner mit einigen Extras für den Fernseheinsatz. Er hat einen Pentium 133-Prozessor, 48 MB RAM und 2 GB Festplatte (viele Leute haben zu Hause schnellere PCs stehen). Eingebaut ist eine Grafikkarte, die nicht nur einen Computerbildschirm-, sondern auch einen Videoausgang hat. Der Scala-Computer kann also Bilder zeigen, sie auf verschiedene Arten um/einblenden und Sound abspielen. Bewegte Bilder wären nur mit einer speziellen Lösung möglich, die aber in den überfüllten Computer nicht mehr hineinpaßt. Deswegen muß, um Video abzuspielen, vom Scala-Bild auf ein Videobild umgeschaltet werden. Die gesamte Programmsteuerung erfolgt in Scala; hier kann z.B. festgelegt werden, ob das Programm jede Stunde oder jede zweite Stunde neu gestartet wird, wann die Videos abgespielt werden usw. Mit dem bald zur Verfügung stehenden Modemeinwählpunkt werden berechtigte Leute von ihrer Wohnung aus Beiträge einspielen, ein- und ausblenden sowie aktualisieren können. |
GenlockDas Umschalten zwischen Computer- und Videobild übernimmt ein sogenanntes Genlock, das vom Scala-Rechner über die serielle Schnittstelle gesteuert wird. Es hat Eingänge für Computer- und Videobild und kann auf Befehl zwischen diesen Bildquellen umschalten. Wenn der Scala-Rechner Video zeigen will, schaltet er das Genlock auf die Videoquelle und nachher zurück. Infotext produzierenDafür kann eine Software namens Scala MultiMedia 100 verwendet werden (ca. 800 öS). Dieses Programm erzeugt sogenannte Skripts (=Befehlssequenzen, eine Art Computerprogramm), die von Scala InfoChannel abgespielt werden können. Die Skripts sind normale Textdateien, die auch mit einem einfachen Editor bearbeitet werden können und auch leicht von einem Programm zu generieren wären (das würde z.B. die Möglichkeit interaktiver Fernsehspiele eröffnen). Das Einspielen der fertigen Beiträge kann über Diskette, CD-ROM, über das Netzwerk (mit dem Videocomputer oder dem eigenen Laptop-Computer) oder per Modem erfolgen. Die große Schwierigkeit beim Einspielen stellen die Audiodateien dar: eine längere Sprachsequenz oder eine Hintergrundmusik braucht mehrere Megabytes, sodaß dafür Modem und Disketten nicht in Frage kommen. Derzeit werden Beiträge, die nicht mehr laufen sollen, nicht gelöscht, sondern nur in der Wiedergabeliste deaktiviert. Dadurch gehen sie nicht verloren und können leicht archiviert werden. |
SicherheitsfunktionenDa Scala ab und zu stehenbleibt, hat WPMedia ein sogenanntes Watchdog-Programm geschrieben, das im Hintergrund läuft und bei längerer Nicht-Aktivität Scala neu startet. Dieses Programm ist auch dafür zuständig, mit dem Videoabspielrechner zu kommunizieren, da Scala als DOSAnwendung dafür nur wenige Möglichkeiten bietet. VideoDer Videoabspielcomputer ist ein sehr moderner PC von der Firma LB-data. Ungewöhnlich ist die besonders große Festplattenkapazität von 19 Gigabyte (davon 17 für Video nutzbar, das bietet Platz für ca. 50 Minuten Video). In den Rechner ist eine DV Master-Karte der Firma Fast Multimedia eingebaut, die ca. 40.000 S kostet. Diese Karte ermöglicht, digitale Videofilme in bester Qualität (besser als S-VHS) abzuspielen. Die Software zur Abspielsteuerung ist auch eine WPMedia-Eigenentwicklung, weil es auf dem Markt für genau diese Konfiguration noch keine Produkte gibt. Das Programm gibt uns maximale Flexibilität bei sehr einfacher Anwendung. Es durchsucht alle Festplatten nach Videofilmen und zeigt sie in einer Liste zur Auswahl an. Dort können Filme dupliziert oder deaktiviert sowie in eine andere Reihenfolge gebracht werden. Es kann auch mehrere Abspiellisten geben, die auf den bestehenden Videos basieren. Das heißt z.B., daß ein Logo oder eine fixe Animation, die wir immer wieder spielen, nicht mehrfach vorhanden sein müssen, sondern es reicht, sie in verschiedene Wiedergabelisten aufzunehmen. Die Berechnung der Länge der Filme erfolgt automatisch, der Videorechner benachrichtigt den Scala-Computer, wenn das Video zu Ende ist. Aus technischen Gründen dauert das Umschalten zwischen Scala-Bild und Video und zurück jeweils ca. 4-7 Sekunden, dieser Wert kann mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln nicht verbessert werden. Die Abspiellisten sind einfache Windows-Konfigurationsdateien mit bekanntem Aufbau, sodaß sie über die erwähnte Modem-Verbindung auch von zu Hause aus anpaßbar sind. Sie können frei aus Scala-Skripts aufgerufen werden. Außerdem haben wir einen Videorecorder zum Abspielen der Filmbeiträge, der jeden Abend zweimal die Kassette abspielt. Er wird über die serielle Schnittstelle vom Video-Rechner gesteuert. Diese Lösung ist nicht sehr flexibel, weil nur die Befehle "Start", "Stop" und "Zurückspulen" unterstützt werden. Video produzierenEs gibt im Wohnpark mehrere Gruppen, die Video produzieren können. Videoaufnahme und schnitt ist bekanntlich sehr zeitaufwendig. Die AktivistInnen benutzen ihre eigenen Geräte. Das Spektrum reicht von ganz neuen digitalen Kameras (>40.000 öS) bis hinunter zu Hi8-Camcordern (ca. 8.000 öS). Wenn ein Beitrag fertiggeschnitten wurde (zu Hause auf dem PC mit Videoschnittausstattung oder im Videoklub auf dem dortigen Schnittgerät), kann er auf S-VHS-Videokassette, CD-ROM oder Digital Video in den Senderaum gebracht werden. Der Abspielcomputer kann auch Video aufnehmen und auf der Festplatte speichern. Das aufgenommene Video wird dann benannt und auf Wunsch in eine Abspielliste eingetragen. Im Gegensatz zu Infotext-Beiträgen müssen die alten Videobeiträge nicht nur deaktiviert, sondern gelöscht werden, weil der Platzverbrauch von Videodateien extrem groß ist. Das macht aber nichts, da Videos sowieso von einer (analogen oder digitalen) Kassette stammen und auf dieser archiviert werden können. |
TeletextDer sogenannte "Teletext-Inserter" ist ein ganz normaler PC mit einer speziellen Teletext-Steckkarte der Firma TSS. Diese Karte mischt ins fertige Bild- und Tonsignal, das aus dem Genlock kommt, den Teletext ein. Teletext-ProduktionDie MitarbeiterInnen, die Teletext produzieren, brauchen nur einen einfachen PC. Das Teletext-Programm stammt aus dem Jahr 1994 und stellt keine großen Anforderungen an den Computer. WP Media hat ein grafikfähiges Exemplar des Teletexteditors, das sogenannte Vorlagen erstellen kann. Die anderen Teletext-RedakteurInnen benutzen diese Vorlagen. Der Grafik-Editor kostet ca. 40.000 öS, die einfachen Versionen ca. 4.000 öS. Das Teletext-Programm ist ein bißchen umständlich zu bedienen und ist viel weniger komfortabel als ein modernes Textverarbeitungsprogramm. Dazu kommen die Limitierungen des Teletext-Systems, das ja mit allen am Markt befindlichen Fernsehern kompatibel sein muß. Trotzdem betreiben wir den Teletext, weil er den Infotext ideal ergänzt und viel schneller aktualisiert werden kann. Die fertigen Seiten werden mit einem Modem über die Telefonleitung an den Teletext-Inserter geschickt. JedeR MitarbeiterIn hat einen gewissen Bereich, in der er/sie die Seiten betreut. Es gibt ein genaues Seitenschema, das die Aufteilung der Nummern unter den einzelnen Themenbereichen regelt. Dadurch sind Übersichtlichkeit und Wartbarkeit des Teletexts gewährleistet. AusblickMit der für die nächsten Monate geplanten Hausverkabelung wird ein Computernetzwerk entstehen, das ständigen High-Speed-Zugriff auf die Abspielcomputer erlaubt. Dadurch werden die RedakteurInnen fast nicht mehr in den Senderaum gehen müssen, sondern können von zu Hause aus Beiträge aktualisieren oder deaktivieren. Außerdem werden Telefonkosten, die derzeit aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, auf diese Weise entfallen. Die Netzanbindung des Scala-Computers eröffnet noch andere
Möglichkeiten: z.B. wäre es möglich, Bilder aus Live-Kameras
aus dem Internet mehrmals am Tag herunterzuladen und zu zeigen; oder
"interaktives Fernsehen" (z.B. Tic-Tac-Toe gegen den Computer) zu
spielen. Weitere Informationen erhalten Sie von Balázs Bárány (balazs@tud.at). WPTV Hauptseite - Bilder - MitarbeiterInnen - Mitmachen
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